Bernhard Infanger

Nachwuchsarbeit – anders und in beispielhafter Form

Für manche Piloten mag die Fliegerei vorrangig die Freizeit ausfüllen oder sogar die Existenz bedeuten. Bei Familie Konrad aus Bad Hall drückt sich diese Begeisterung in einer besonderen Art aus. Aktuell wird in vier Generationen Modellflugsport betrieben.

 

Urgroßvater Josef verkörpert den Wurzelstock des Familienhobbys. Angefangen hat er 1968 mit Freiflug und dem ersten Simprop Proportional Sender. Auf Basis der Baupläne fertigt er seine Modelle vorrangig aus Holz (Bocian mit  360 cm Spannweite oder eine 2 Meter Vertigo mit Verbrennermotor). Auch die Vielfalt lebt er aus und fliegt vom Segler bis hin zum Kunstflieger alles, was das Programm bietet. Josef nützt nahezu jede Gelegenheit, um an vereinsinternen Bewerben teilzunehmen, startet auch beim nationalen Wettbewerb des Clubs und ist durch seine Begeisterung ein gutes Beispiel für alle Jüngeren. Bei seinem Verein, dem MFC Weichstetten, schätzt er den gepflegten Flugplatz und das gute Vereinsklima. Als langjähriger Schriftführer und Koordinator mit vorzüglicher Diplomatie ist er eine bedeutende Säule im Team und wurde daher zum Ehrenmitglied erhoben. Den Modellflugsport wird er solange wie möglich pflegen.

 

Großvater Gerald symbolisiert den Baumstamm. Den Keim für die Modellfliegerei hat zweifellos Vater Josef  gelegt. Bereits mit zwölf Jahren hat er den Freiflieger „Beginner“ von Graupner gebaut. Durch Berufsausbildung, Existenzaufbau und Familie wurde dieses Hobby dann ruhend gelegt. Doch  seine Söhne weckten, gepaart mit väterlicher Fürsorge, das Interesse wieder enorm. In der Winterzeit werden gemeinsam größere Modelle, meist aus Holz, gebaut. So ist vergangenes Jahr dieser Eco Boomster (Höllein) entstanden. Geralds Schwerpunkt liegt im Seglerschlepp, den er mit seinem Freund ausübt. Er hat dem Autor versichert, dass der Modellflugsport seine nahestehende Pension füllen wird.

 

Vater Steffen bildet das Geäst des Baumes. Beim Fliegen genießt er besonders die Freiheit und den schier unendlichen Raum in der Luft. Mit nahezu zwanzigjähriger Flugerfahrung und seiner jugendlichen Neugier geht er sowohl beim Steuern von Fliegern, als auch im Modellbau als gutes Beispiel für angehende Piloten voran. So hat Steffen gemeinsam mit Vater Gerald im Winter 2011 diese Piper Pawnee gebaut. Gerade sein Gefühl für Kunstflug kann sich sehen lassen und in der Perfektionierung des F3A- und 3D-Fluges liegt auch seine Vision. Einer seiner  Herzenswünsche ist es, den beiden Mädchen Freude am Fliegen vermitteln zu können.

 

Töchter Sarah und Lea  sind die Blüten und angehenden Früchte des Baumes. Die Motivation ist bei den Kindern bereits vorhanden. Viele Gelegenheiten werden von den jungen Damen genützt, um dem Vater, Groß- und Urgroßvater in der Werkstätte auf die Finger zu schauen und Fragen zu stellen. Ihre Begeisterung haben sie bereits mit Wurfgleitern bestätigt. Mit nur vier Jahren wird Lea in den nächsten Monaten mit Hilfe von Vater Steffen ihre ersten Kenntnisse mit der Fernsteuerung sammeln.

 

Toll, wie vielfältig die Familie Konrad den Modellflugsport lebt. Von Styro über Glas, Kohle und Holz, von langsamen über schnelle motorlose Segler bis hin zu großen Verbrennern, im breiten Spektrum dieses Hobbys wird Erfahrung gesammelt. Natürlich sind die grundlegenden Modellflugprüfungen absolviert worden und an internen und öffentlichen Bewerben beteiligen sich die drei Männer stets.

 

Das ist wohl Nachwuchsarbeit im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Autor: Bernhard Infanger

Fotos: Gerald Konrad, Johann Littringer